Super Sensitiv auf Barsch & Co.

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In der Schweiz habe ich einen Angel-Stil kennengelernt, der hierzulande kaum praktiziert wird und den ich zu anfangs auch selber unterschätzt habe.

Um ehrlich zu sein, habe ich sogar ein bisschen in mich hineingelächelt, als ich das erste Mal mit Bata vom Fischershop Wels (St. Gallen) und seinen Kumpels in einem Züricher Bootshafen unterwegs war und mir die Ruten meiner Schweizer Begleiter angeschaut habe.

„Was sind denn das für Mikado-Stäbchen, Jungs? Wollen wir Barsche angeln oder soll‘s gezielt auf Brutfisch gehen?“

„Bei uns in der Schweiz hat’s nicht nur so große Barsche wie bei euch. Außerdem kannst Du Dir ja mal das Wasser anschauen. Das ist so klar, wenn Du da nicht entsprechend angelst, fängst Du gar nix!“

Naja. Das wollen wir mal sehen. So grob fische ich ja auch nicht. Konkret sah mein Setup so aus: Eine schnelle 25 Gramm-Rute. 8er Geflochtene. 21er Fluorocarbonvorfach. Fliegenfischer-Snap. Dazu ein realistischer No-Action-Shad am 15 Gramm-Kopf.

„So fängst Du hier nix!“ „Warum denn das? Ist doch fast 20 Meter tief. Da finde ich 15 Gramm fast zu leicht.“ „Hier fängst Du nur super-sensitiv!“

Ich habe an diesem Tag tatsächlich nichts gefangen. Meine Schweizer Kollegen, die Keitech-Gummis am matt lackierten 7 oder 5 Gramm-Illex Straight Jig Head auf die Reise schickten, aber auch nicht.

Bei einem meiner nächsten Besuche in der Schweiz – ich war extra in die Schweiz eingeflogen worden, um den Menschen da im Video „Die Schweiz fischt auf Egli“ das moderne Barsch-Angeln nahezubringen – haben sie mir aber auf dem Luganer See mit im Mittelwasser präsentierten Spider Grubs am 1 m langen Carolina-Rig so richtig einen vorgeangelt.

Und zwei Tage später auf dem Zürich See konnte ich erst ab dem Moment einigermaßen mithalten, indem ich meine Taktik an die Schweizer Konditionen angepasst habe und einen 3,5‘‘ Yamamoto Kut Tail Worm mit einem 10 Gramm-Bullet-Weight am Texas-Rig auf 20 bis 25 Matern anbot.

Diese Klarwasserseen haben aber auch echt ihre Tücken. Die Egli-Bande hat natürlich völlig Recht: Wenn da nicht alles stimmt, sieht man wirklich keine Flosse. Schon gar keine von guten Fischen.

Diese Erkenntnis habe ich mit nach Deutschland genommen und meine Barschausrüstung nochmal nach unten hin erweitert. Denn dieses super-sensitive Barschangeln hat nicht nur etwas mit Ködern, Bleigewichten, Schnurstäken, Schnurfarben und Jig-Kopfformen zu tun, sondern fängt bei der Hardware an.

Der Super-Sensitiv-Angler braucht eine spezielle Rute. Diese muss eine weiche Spitze haben, die erstens die Bewegungen abpuffert und ein bisschen realer wirken lässt; zweitens keinen Widerstand beim Biss erzeugt und drittens schon den kleinsten Zupfer anzeigt.

Für viele meiner Freunde aus der Schweizer-Egli-Fraktion gibt’s hier nur eine wahre Rute. Und zwar die Diaflash. Viele von ihnen fischen vom Ufer die 2,37 m lange Version mit einem Wurfgewicht von 0,8 bis 8 Gramm, die mir – wie bereits erwähnt – am Anfang ein Lächeln abgerungen hat.

Die ist so dünn, dass man wirklich in die Zahnzwischenräume mit ihr kommt. Das Besondere ist aber nicht nur der schlanke und leichte Blank. Das Super-Sensi-Feature No. 1 ist eine sogenannte Taftec-Spitze. Diese ca. 30 Zentimeter lang und mit dem schnellen Blank verschweißte Spitze ist weich, aber schnell und erfüllt genau die Kriterien, die es zu erfüllen geht, wenn man es mit ultrascheuen Barschen zu tun hat.

Auf der kleinen, aber hoch übersetzten Stationärrolle sitzt eine extrem feine Geflochtene. Bata & Co. setzen auf eine 6er, maximal 8er. Und zwar in Grau oder Olivgrün, was die Schnurbeobachtung schwerer macht und die Bedeutung der sensiblen Rutenspitze nochmal erhöht. Inzwischen weiß ich, dass man die Bisse sieht, bevor man sie spürt.

Die Schweizer Methoden

No-Action-Twitchen: Um die Barsche aus der Reserve zu locken, setzen „meine“ Schweizer beim klassischen Gummifischangeln mit Shads am Bleikopf fast ausnahmslos auf den Keitech Shad Impact in 3‘‘ oder 4‘‘. Er wird mit einem Straight Head von Illex kombiniert, der den Köder beim Antwitchen zur Seite ausbrechen lässt. Der Köder wird mit der aufs Wasser zeigenden und dann zur Seite gezupften Rute vom Grund abgehoben und in dieser Bewegung mit Minitwitches, die ihn auch während seines Fluges ganz leicht ausbrechen lassen, bearbeitet. Um möglichst lange und flache Sätze zu erzeugen, braucht man eine Rutenlänge von mindestens 2,1 m, wo wir wieder bei der Diaflash wären.

Mittelwasser-Carolina: Wenn die Barsche passiv im Mittelwasser stehen, setzen di Schweizer Spezis am Lugano See auf ein langes C-Rig. Das Vorfach sollte mindestens 1 m lang sein. Das ca. 5 Gramm schwere Blei wird vorm Wirbel nicht mit einer Plastikperle gebremst, sondern mit einer Gummiperle, die als Schockabsorber dient. Am Haken sitzt eine Little Spider oder ein anderer Doppelschwanztwister. Dieser wird mit Microzupfern animiert, so dass er sich schön bewegt aber nicht hyperaktiv herumfuhrwerkt.

Deep-Sea-Texas: Ihr feinen Yamamoto-Würmer bieten die Egli-Fans teilweise in extremen Tiefen an. Aber eben an extrem niedrigen Bleigewichten, die sie zu einer extrem langsamen Köderführung zwingen, die von kleinen Zupplern und vielen Pausen geprägt ist. Und wenn ein Egli zuschnappt, lässt man ihm vorm Anhieb ein wenig Zeit, um auf Nummer Sicher zu gehen. Durch die weiche Rutenspitze sitzt fast jeder Anhieb, weil die Fische über die Distanz keinen Widerstand spüren.

Liebe Klarwasser-Barsch-Angler in Deutschland und Österreich: Ich kann euch diese Angelei nicht nur deshalb empfehlen, weil sie so effektiv und auch alternativlos ist, wenn ihr Barschzicken aus extrem sichtigen Gewässern zaubern müsst. Das Angeln mit so feinem und bis ins letzte Detail durchdachtem Geschirr macht auch wahnsinnig viel Spaß. Nicht nur weil man damit Fische fängt, die man vorher nicht gefangen hat, sondern auch weil die Würfe, die Köderanimation und die Drills am Super-Sensitiv-Gerät ein Hochgenuss für jeden Barschangler sind.

Ist ja klar, dass das auch in trüben, flachen und fließenden Gewässern funktioniert. So habe ich mit meiner Diaflash (2,2 m lang / WG 2 – 10 Gramm) inzwischen schon viele Barsche aus der Spree getwicht. Aber auch am Peenestrom war ich mit dem UL-Geschirr sehr erfolgreich. Wo andere in voller Strömung 28 Gramm vor ihren Gummifisch schalten mussten, kam ich aufgrund der dünnen Schnur mit einem 8 Gramm Texas-Rig zu den Barschen und Zandern runter und hatte so einen Spaß an dieser Angelei, dass ich die Diaflash fast nicht mehr aus der Hand genommen habe.

Beste Grüße, euer Johannes

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