Sephia SS S-803M: Eging-Rute für Barsch??!

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Der Name „Sephia“ ist mehr als eine Andeutung. „Sepia officinalis ist die lateinische Bezeichnung für den gemeinen Tintenfisch. Und weil sich die Shimano Produktentwickler auch bei der Namensgebung etwas denken, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Sephia SS um eine Tintenfischrute handelt, wie sie besonders im Mittelmeerraum, vor der Küste Australiens oder aber in Asien verwendet wird. Mit diesen feinfühligen Ruten werden spezielle Squit Jigs („Egis“) präsentiert. Der Fachterminus fürs Tintenfischangeln lautet Eging.

eging-lure

Shimano produziert selber solche Köder. Hier ein Video aus Australien, in dem ihr euch mal ein Bild von den Teilen machen könnt.

 

Die Egis sind so ausbalanciert, dass sie mehr oder weniger langsam zum Grund sinken. Dann werden sie angejiggt und an schlaffer Leine absinken gelassen. Die Tintenfische greifen sich den Köder dann in der Absinkphase. Damit sie sich nicht abschütteln, geben die Ruten bei Druck ein bisschen nach, sind also nicht bretthart. Dennoch fließt jede Menge Strom durch den Blank, da die Bisse nicht immer leicht zu erkennen sind.

Die Sephia-Ruten sind auf weite Würfe ausgelegt. Sie sind als Allround-Eging-Ruten konzipiert, die an sowohl vom Boot als auch vom Ufer fischen kann und die sich auch für die Angelei in tiefem Wasser eignen. Damit fallen sie ein bisschen stärker aus, als die ganz feinen Eging-Ruten, mit denen man im Flachwasser fischt bzw. ganz kurz vor und unter dem Boot. (Wenn man einmal einen Tintenfisch gehakt hat, zieht der den ganzen Schwarm unters Boot.)

Jiggen, Bisse in der Absinkphase, Aussteigergefahr im Drill… Das kommt einem doch irgendwoher bekannt vor. Ach ja. Beim Barschangeln mit dem Gummi am Bleikopf soll man mit ähnlichen Phänomenen konfrontiert werden, habe ich mir sagen lassen. Und so habe ich mich natürlich sehr gefreut, als mir Shimano eine dieser Eging-Ruten zum Testen mit nach Langeland mitgegeben hat.

Sephia-SS-S803M

Shimano Sephia SS S-803M. Länge: 2,51 m. Gewicht: 113 Gramm. Wahnsinn, oder?

Wenn man sich die Zahlen mal reinzieht, kommt man schon ins Grübeln: 113 Gramm Gewicht bei einer Länge von 2,51 m – eine erstaunlich leichte Konstruktion. Kann da echt so viel Wumms dahinter sein, dass man Gummis barschgerecht beschleunigen kann?

Die Zweifel verschwinden beim erste Anzittern und Belasten. Die Rute steht wie eine Eins. Auf jeden Fall packt die Jigs bis 12 Gramm. Und wie sieht‘s mit der Power aus? Ab dem zweiten Drittel kommt viel Rückgrad. Genug für einen richtig fetten Barsch. Oder auch für einen „versehentlich gehakten“ Zander oder Hecht.

 

Wurfgewicht der Sephia SS S-803M

Auf dem Blank steht: EGI SIZE 2,5 – 4G. Also ein Wurfgewicht von 2,5 bis 4 Gramm? Und das will uns der Dietel als Barschrute zum Distanz-Jiggen verkaufen? Nein! Wenn dem so wäre, würde ich das definitiv nicht wollen. ABER: Die Zahlen bei den Egis sagen etwas über die Länge und das Gewicht aus. Da gibt’s leider keine Norm. Ein 2,5er Egi wiegt ca. 10 Gramm, ein 4er kann 30 Gramm wiegen.

Nun sind Egis anders konzipiert als ein Gummifisch und haben eine langsamere Sinkrate als ein Silikonköder am Bleikopf. Sie lassen sich also leichter beschleunigen. Die Sephia ist sicher keine Rute, mit der man 30-Gramm-Gummi-Jig-Kombinationen führen muss. Ich denke, das ideale Köder-Gewicht liegt gefühlsmäßig zwischen 5 und 18 Gramm.

 

Erster Praxistest Sephia SS S-803M

Die ersten Tests fanden also auf Langeland statt. Hier habe ich mich mehrheitlich dem Plattfischangeln mit Kunstködern gewidmet. Ich angelte meistens mit Bullet Weights von 5bis 12 Gramm. Das hätte also perfekt zur Sephia passen sollen. Tat es aber nicht so richtig. Ich bekam zwar viele Bisse, konnte diese aber nicht so gut verwandeln wie mit der Diaflash und ihrer Taftec-Spitze. Ich probierte es solange, bis ich ein paar Fische gefangen hatte, stieg dann aber beim Plattenfischen voll auf die Diaflash um.

Platte geht. Aber die Taftec-Ruten sind da besser.

Platte geht. Aber die Taftec-Ruten sind da besser.

Zwischenfazit: Die Sephia ist in der Spitze zu schnell für Flundern und Konsorten.

Also wartete ich mal auf eine Gelegenheit, bei der ich die feine Rute zum Dorschangeln verwenden konnte. Problem: Die Dorsche stehen hier recht tief. Meistens muss man im Sommer mindestens auf 20 m runter. Zur Tiefe kommt häufig eine rasante Unterströmung. Aber irgendwann fand sich dann doch mal ein Abend, an dem ich mit einem langen Wurf in die Andrift und 14 Gramm Bullet plus 4 Inch Wurm runter kam.

sephia-ss-s803m

Man beachte die feine Beringung. Rollenemofehlung: 2500er Größe. Und am besten was ganz Leichtes aus Ci4+

Nicht zu den ganz großen Burschen, sondern in die Kinderstube.

OK. Der ist klein. Ich hätte nix gegen einen 70er gehabt. Dazu muss man dann aber auch mehr anbieten als einen 4 Inch-Finesse-Wurm.

OK. Der ist klein. Ich hätte nix gegen einen 70er gehabt. Dazu muss man dann aber auch mehr anbieten als einen 4 Inch-Finesse-Wurm. MIt „mehr“ wäre ich aber nicht runtergekommen. Zum schweren Dorschangeln ist die Rute also nicht gebaut – wer hätt’s gedacht.

Viel größer werden die Barsche bei uns aber auch nicht. Und viel stärker fällt die Belastung im Drill auch nicht aus.

Um die Biegekurve zu demonstrieren, haben die kleinen Dorsche aber  gereicht. (Nach 2 Stück habe ich aufgehört.)

Um die Biegekurve zu demonstrieren, haben die kleinen Dorsche aber gereicht. (Nach 2 Stück habe ich aufgehört.)

Im Nachgang gab’s dann auch noch ein paar Makrelen aus dem Mittelwasser.

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Jetzt freue ich mich drauf, das gute Stück in Deutschland einzuweihen. Ich bin gespannt, wie sie sich beim Barschangeln macht. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine tolle Rute zum Uferangeln und zum Distanz-Jiggen vom Boot ist für alle, die gerne so leicht wie möglich fischen.

Meerforellenblinker bis 20 Gramm fliegen bis in die untergehende Sonne.

Meerforellenblinker bis 20 Gramm fliegen bis in die untergehende Sonne.

Man hört sich! Bis dahin viel Spaß aufm Wasser!

Johannes

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