Musky – erster Versuch.

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Schon einige Zeit beschäftigt mich diese Fischart, bestehen doch augenscheinliche Gemeinsamkeiten mit unserem Hecht. Neben fast identischen Angelarten, die beiden Prädatoren zu befischen, gibt es auch völlig unterschiedliche Methoden, um die Räuber an den Haken zu locken. Andreas teilt diese Leidenschaft für Muskys und so dreht sich bei unseren Hechttouren das Gespräch immer wieder um die großen Räuber aus Nordamerika. Andreas lebte einige Zeit in den Staaten und hatte so auch schon die Gelegenheit auf Muskys zu angeln. Er erzählte auch immer wieder von einer Guidingtour mit einem sehr bekannten Muskyangler die, sagen wir mal, nicht gerade kundenfreundlich war…

Und so kamen wir bei fast jeder Hechttour immer wieder zum Thema Musky und es reifte das Ziel, zusammen eine solche Tour zu unternehmen.

Als Ziel suchten wir uns nicht etwa ein bekanntes Muskycamp an einem bekannten See aus. Wir sind stattdessen ein relativ hohes Risiko eingegangen, als wir uns eine Bucht des Lake Michigan ausgesucht haben. Green Bay, eine ca. 130 km lange und bis zu 30 km breite Bucht! Uns war nicht wichtig, dass wir 100 Prozent sicher einen Musky fangen, wir wollten einen Großen fangen, am besten einen über 50 Inch.

Andreas hat Kontakt zu jemanden, über den man ohne weiteres Musky-Koryphäe sagen könnte: Larry Ramsell. Durch ihn hatten wir Kontakt zu einem anderen Muskyangler, mit dem wir zwei oder drei Tage aufs Wasser könnten und der uns anschließend evtl. sogar ein Leihboot besorgen könnte, so war unser Plan. Dass wir fahren, stand schon fast ein Jahr zuvor fest und so zog ich mir auf YouTube fast alles an Muskyvideos rein, was nur so ging. Andreas und ich haben ja schon so einige Hechte beim Schleppen zusammen gefangen, unter anderem auch viele große und so war natürlich klar, dass wir auch bei den Muskys schwerpunktmäßig aufs Schleppen setzen wollten. Dennoch wollten wir auch beim Spinnfischen unser Glück versuchen.

Drei Monate bevor es losgehen sollte, erhielten wir schlechte Nachrichten aus Green Bay: Tom, unser Mann vor Ort, mit dem wir mitfahren hätten können, erzählte uns, seine Frau sei krank geworden und er müsse jetzt nach Florida ins Warme umziehen. Und so zerbrach unsere schon sicher geglaubte Tour in ihre Einzelteile. Die Flüge hatten wir ja schon gebucht. Also legten wir uns ins Zeug und planten etwas um. Eine Unterkunft war nicht schwer zu bekommen, aber wir konnten es nicht glauben: ein Angelleihboot zu finden, war schon wesentlich schwieriger.

Wir hatten Glück, in Sturgeon Bay (etwa 50 km von Green Bay entfernt) hatten wir eine Unterkunft und an der Steganlage davor ein Lund mit 60 PS. Anfragen ob auf dem Boot Rutenhalter oder ein Echolot montiert wären blieben unbeantwortet. Was soll`s, wir ließen uns nicht unterkriegen, würde schon irgendwie gehen.

Nach einen etwa achtstündigen Flug landeten wir in Chigago und nach weiteren vier Stunden mit dem Leihwagen erreichten wir unsere Unterkunft in Sturgeon Bay. Vor lauter Vorfreude merkten wir nicht mal unseren Jet Leg. Wir mussten schließlich noch einige Besorgungen machen: Angelkarten, Muskyköder, Rutenhalter, Kescher und noch andere Kleinteile, die man so brauchen könnte. Also besuchten wir den Cabelas Store in Green Bay. Als wir so vor dem riesigen Store standen, waren wir beeindruckt. Aber als wir uns dann etwas im Geschäft umgeschaut hatten, waren wir etwas enttäuscht. Nur mal so als Beispiel: Es gab nur etwa 50 verschiedene Muskyköder, keine Crimp-Zange, um Vorfächer zu machen, FC Vorfachmaterial gab es nur bis zu einer Stärke von 0,60mm… Es war offensichtlich, dass der Musky keinen besonderen Stellenwert in dieser Region genoss. Leider verstanden wir dieses Indiz da noch nicht ganz.

Nach einer kurzen Einweisung in unser Leihboot durch den Verleiher, machten wir uns auf den Weg zu unserem ausgesuchten Gebiet. Immerhin: Echolot und 5 Rutenhalter waren im Boot. Im Cabelas hatten wir uns eine Gewässerkarte besorgt und auf der suchten wir uns ein Gebiet aus, das für uns vielversprechend ausschaute.

Schon beim Rausfahren konnten wir eine Menge superkrasse Boote sehen. Scheinbar ist es dort normal, mit 250 PS oder 300 PS zum Angeln zu donnern, wir fanden es geil. Ab hier möchte ich es etwas abkürzen: Die ca. 60 Boote, die wir am ersten Tag sahen, angelten anscheinend alle auf Bass oder Walleys. Es waren keine Muskyfischer dabei und als wir den einen oder anderen Angler nach Muskys fragten, reichte alleine schon die Mimik und Gestik der Angler aus, um den Stellenwert der Muskys bei den Einheimischen zu erahnen.

Damit hatten wir eigentlich noch kein Problem. Aber nachdem wir in drei Tagen nur einige Bisse und einen Hecht hatten, waren wir uns nicht mehr so sicher, ob in Sturgeon Bay überhaupt Muskys sind.

Bei den Recherchen im Vorfeld konnten wir aber schon von gefangenen Muskys in der Sturgeon Bay lesen, die als Beifang beim Bass- oder Walleyfischen an den Haken gingen. Wir schleppten jeden Tag etwa zwei Drittel und ein Drittel der Zeit versuchten wir, die Burschen beim Spinnfischen zu finden. Das Gebiet ist einfach zu weitläufig, um mal schnell Fisch zu finden. Vor allem wenn man sich nicht an anderen Anglern orientieren kann.

So wurden wir von Tag zu Tag unsicherer und wir wussten, wir mussten was unternehmen. In der Planung zu dieser Tour fasten wir auch ein oder zwei Tage Guiding ins Auge und schrieben sieben (7) Guidingunternehmen an. Der Großteil antwortete uns schon mal überhaupt nicht und andere hatten nur noch einen halben Tag über. Und das schon einige Monate bevor wir unsere Reise überhaupt antreten wollten. Man muss hierzu noch wissen: der durchschnittliche Preis für ein Tag Guiding, also etwa 8 Stunden, beträgt 500 $ – 600 $. (@Hannes: Wir machen was flasch!)

Auf der einen Seite war es natürlich schon etwas schade, nicht mal eine Antwort zu erhalten, andererseits schienen wir uns eine Top Zeit für unsere Tour ausgesucht zu haben. Wir beschlossen, die Anbieter nochmal anzurufen, vielleicht haben wir Glück und wir finden einen Guide der noch einen freien Tag hat.

Erster Adresse war Alexander Sport Fishing. Und wir hatten Glück! Ihnen wurde eine Tour abgesagt und somit konnten wir die Tour übernehmen. Wir verabredeten eine Tagestour, halb Schleppen und halb Spinnfischen. Unser Guide, Doug Wegner, hatte sich Anfang des Jahres selbstständig gemacht und zog nun von Muskygewässer zu Muskygewässer, um seine Touren anzubieten. Und jetzt guidete er gerade für Alexander Sport Fishing.

Bereits um sechs Uhr trafen wir uns im Ausgangshafen und legten auch sofort ab. Es war etwas windig und wir hatten am Anfang schon etwas zu kämpfen, unseren Stand beim Spinnfischen im Boot nicht zu verlieren. Am ersten Platz waren wir noch alleine und das Wasser hatte eine Sichttiefe von nur wenigen Zentimetern. Es war schon ungewohnt in einer solchen Brühe zu fischen, aber ‚Vertraue dem Guide‘, lautete das Motto. Wir machten einige Driften und dann ging es zu einem anderen Gebiet.

Hier waren schon andere Boote am Schleppen und Werfen und anhand der Köder konnte man zweifelsfrei erkennen: die Kollegen waren auf Muskyjagd. Wir drifteten also auch die Krautfelder und Steinkanten ab und warfen unsere Köder in die nun schon etwas klareren Fluten. Soweit wir sehen konnten, hatte kein Boot was gefangen, alle Boote waren auf einem relativ kleinen Areal von etwa 3 km mal 2 km am Angeln.

Bald waren die ersten vier Stunden Angeln vorbei und wir begannen zu schleppen. Doug bereitete das Boot vor: Rutenhalter, Ruten, Köder und Sideplaner lagen griffbereit in den Staufächern und waren in wenigen Minuten einsatzbereit. Wir schleppten über ca. 3 Meter Wassertiefe mit den erlaubten neun Ruten (pro Angler sind drei Ruten erlaubt).

Nach einer guten Stunde bekamen wir einen Biss und Andreas drillte einen großen Musky, ich hatte die Kamera im Anschlag und nahm den Drill auf. Einige sagen immer wieder, dass Muskys besonders starke Kämpfer sein sollen. Ich würde sagen, sie sind nicht stärker als unsere Hechte. Nach einem normalen Drill für einen Fisch dieser Größe konnte Doug den Fisch dann problemlos keschern und unser Ziel war erreicht.

Jetzt ging alles ganz schnell: Messen und einige Fotos und schon war der kapitale Musky wieder im Wasser und mit 51 Inch konnte man ohne weiteres sagen, dass er zu den kapitalen Vertretern seiner Art zählte. Wir schleppten noch weiter und erhielten noch einen Fehlbiss. Aber das war es dann auch schon. Dennoch: Wir waren mehr als zufrieden!

Wir waren das einzige Boot, das einen Fisch fangen konnte, das war aber Meinung nach nicht nur Glück. Doug ist ein noch junger ehrgeiziger Guide. Er war der Garant für unseren Erfolg, er arbeitete beim Schleppen ohne Ende – ich weiß, wovon ich spreche, denn genauso habe ich auch vor Jahren meine Schlepprunden um Rügen auf Hecht gedreht. Es macht einen großen Unterschied aus, ob man seine Köder stündlich oder alle halbe Stunde kontrolliert. Denn wie an der Ostsee war auch in Green Bay eine Menge Gras im Wasser und die Köder fangen ganz einfach nicht mehr, wenn sie mit einer dicken Schicht Gras bedeckt sind. Ein normaler Gast merkt das normal nicht und es ist für einen faulen Guide nicht schwer, dies zu ignorieren. Aber es wirkt sich halt auf den Fangerfolg aus.

Nur mal so kurz als Tipp: treiben die Köder auf oder kann man das typische Wippen der Rutenspitze nicht mehr sehen, sind die Köder voller Kraut. Und so konnte ich sehr wohl einschätzen, ob sich Doug Mühe gab oder nicht und unser Fangerfolg war natürlich etwas Glück aber zuallererst das Ergebnis seiner harten Arbeit, guter Mann!

Andreas und ich hatten noch einen Angeltag in unserem Revier und wir versuchten wieder, selbst einen Musky zu fangen aber wir hatten zwar wieder einige Bisse, vermutlich von Hechten, da wir an diesem Tag noch einige Hechte aber keine Muskys fingen. Nach einigen Tagen, wir waren wieder gut zuhause angekommen, beschlossen Andreas und ich, es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen, da wir jetzt wissen, wo sich die Gebiete für Muskys befinden und wir mit Doug jemanden haben, über den wir ein Leihboot bekommen können.

Dori

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