Lipless-Rappin-Power: Checkt den Ripper!

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London im Jahre 1888. Ein Serienmörder bringt mindestens fünf Prostituierte um und geht als ‚Jack the Ripper‘ in die Kriminalgeschichte ein. Damals hielt er die Londoner Polizei in Atem und erlangte durch viele Verfilmungen weltweite Berühmtheit. So weit ist es beim Rippin‘ Rap noch nicht, obschon er sich z.B. in den USA drei Jahre nach seinem Stapellauf ebenfalls einen Ruf als Serientäter errasselt hat und man sich auf youtube viele Clips anschauen kann (einfach einmal „Rapala Rippin Rap“ eingeben).

 

Bei uns tun sich die Angler aber generell ein bisschen schwer mit den Lipless Cranks. Während die Außendienstler teilwiese nicht mehr hinterherkommen, Nachschub an  Twitch- und Crankbaits in die Läden zu schaffen, bleiben die Wobbler ohne Tauchschaufel oft lange hängen. Teilweise werden die Serien dann aus dem Europa-Programm genommen und dann eben nur noch in Ländern angeboten, in denen die Angler die Vorzüge der wohl vielseitigsten Hardbaits mehr zu schätzen wissen.

Diesen Bericht schreibe ich aus Eigeninteresse. Ich will unbedingt verhindern, dass ich den Rippin‘ Rap irgendwann aus meinem Hardbait-Arsenal streichen muss. Es ist nicht so, dass ich nur noch mit diesem Köder fange. Ich angle auch sehr gern mit Twitchbaits. Aber es gibt Tage und Situationen, an denen der wohl lauteste Rapala unverzichtbar für mich geworden ist. Die vergleichsweise niedrigen Verkaufszahlen legen nah, dass in der Lipless-Hardbaiterei noch ein riesiges Potential schlummert, das Teamangler und Angeljournalisten endlich einmal wachküssen sollten. Es kann ja nicht sein, dass sich die da drüben in den USA dumm und dusselig mit Rippin‘ Rap & Co. fangen und bei uns nur ein kleiner Teil der Anglerschaft von den Vorzügen weiß und das Geheimnis solange für sich bewahrt, bis die Köder aus den Katalogen verschwinden und über umständliche Wege heranorganisiert werden müssen. Wenn ich hier über einen speziellen Köder schreibe, ist der Artikel gleichzeitig als Lobpreisung für eine ganze Köder-Kategorie zu verstehen, für die der Rippin‘ Rap hier Pate steht.

Die Rip-Technick

Wie der Name schon sagt, eignet sich der  Rippin‘ Rap besonders gut zum „Ripping“. Zum was bitte? Ja, „ripping“ oder „rippen“ ist nach „twichten“, „jiggen“, „sweepen“, „jerken“ etc. der nächste englische Begriff, den wir deutsche Spinnangler in unseren Wortschatz aufnehmen müssen. Außerdem müssen wir uns natürlich die Technik beibringen. Die ist ganz nah am Jiggen dran. Nur ein bisschen wilder.

Anstatt die Rute zügig anzulupfen, um den Köder abzuheben und dann an gespannter Leine absinken zu lassen, reißt man den Köder beim Rippen vom Grund, indem man die Rute extrazackig nach oben schnellen lässt. Dann lässt man den Köder an schlaffer Schnur abtrudeln, um nach dem Auftreffen auf dem Grund die lose Schnur aufzunehmen und zum nächsten Ruck anzusetzen.

Da die Köder relativ schwer sind, geht das im flachen Stillwasser unheimlich schnell, so dass man sich in einen Rhythmus angeln kann, bei dem man gar nicht mehr auf das Erspüren des Grundkontakts wartet, sondern einfach Sprung für Sprung durchzieht. Je tiefer es wird, desto langsamer wird der Rhythmus. Und auch Strömung hat einen Einfluss auf die Pausen zwischen den Sprüngen. Durch das hohe Eigengewicht der Rippin‘ Raps, fischt man auch in 8 Metern Wassertiefe noch recht sportlich. Dementsprechend hart fallen auch die Bisse aus. Zumindest die Attacken, die auf den fallenden Köder kommen, geben uns Spinnanglern alles, was wir von einem Biss erwarten können. Der hohe Geräuschpegel macht die Räuber wütend. Und auch die schnelle Gangart fördert ein megaaggressives Zupacken. Zu den Bissen im Fall kommen aber auch Festhalterbisse. Dabei wollen die Fische verhindern, dass der Köder noch einmal losstartet. Diese Zander und Barsche hängen dann einfach am Haken, wenn man die Rute anreißt. Jeder „Rip“ ist gleichzeitig also auch ein Anschlag auf Verdacht. Eine zusätzliche Führungsoption ist das Durchkurbeln. Je schneller man dreht, desto flacher läuft der Köder. Durch die kompakte Form und das relativ hohe Gewicht erzielt man große Wurfweiten. Da man den Rippin‘ Rap schnell führen kann, sucht man schnell große Flächen ab und sammelt sich so auch an Tagen, an denen die Räuber versprengt stehen, ansehnliche Tagesergebnisse zusammen.

Das Rippin‘ Rap-Konzept

Spezielle Rip-Baits sind ein bisschen anders aufgebaut als die Lipless Cranks, die zum Druchkurbeln konstruiert wurden. Auch bei den Rip-Baits übernimmt der „Vorderkörper“ vor der Öse Tauchschaufel-Funktion. Sie sind aber ein bisschen schwerer.

Der Rippin‘ Rap zeichnet sich durch einen hochrückigen und flachen Körper aus, der beim Anreißen viel Wasser verdrängt, welches an den hohen Flanken vorbeigedrückt wird. Druck und Gegendruck erzeugen heftige Druckwellen, die wiederum die lauten Rasseln in Schwingung versetzen.

Die Vibrationsmaschine läuft jetzt auf Hochtouren. Beim Spinnstop helfen die hohen Flanken dabei, dass der Köder ins Taumeln gerät und nicht kerzengerade zum Grund fällt. Dieses angedeutete Ankreiseln, das nur zustanbde kommt, wenn der Köder an schlaffer Schnur sinken darf, lässt Zander, Barsch und Konsorten beherzt zupacken.

Den Rippin‘ Rap gibt’s in 3 Größen. In 7 Zentimetern (24 Gramm) ist er etwas für Zander, Hechte und große Barsche oder Rapfen. In 5 Zentimetern (9 Gramm) macht er besonders Barsche an, bleibt aber auch für Hechte und Zander interessant. Die UL-Version in 4 Zentimetern (5 Gramm) ist dann ein reiner Barsch-, Forellen- und „Raub-Weißfisch“-Köder.

Hardware für Ripper

Wenn wir uns die US-Cracks zum Vorbild nehmen, liegt es nahe, dass wir auch dieselbe Hardware fischen. Die Jungs da drüben müssen schließlich wissen, mit welchem Gerät man die Vorzüge am besten aus den Lipless-Rippern rauskitzelt. Sie fischen relativ harte Ruten in Längen um 2,1 m, wobei die Spitzensektion ein bisschen weicher ausfallen darf, damit der Rutenarm nicht so schnell ermüdet und die Fische den Köder beim Angriff gut wegsaugen können. Meine Empfehlung aus dem Shimnao-Programm:

Zodias 270 MH

Für einen direkten Köderkontakt und eine ruppige Führung braucht man Geflochtene (ich nehme 12er für die großen und 8er bis 10er für die beiden kleinen Rippin‘ Raps), vor die man einen ca. 1 bis 2 m langen Fluorocarbon-Leader (30er bis 35er bzw. 21er bis 24er) schaltet. Da Hechte diesen Ködertyp lieben, ist Stahl bei dem großen auf jeden Fall Pflicht und beim mittleren eigentlich auch. Ich verwende entweder dünnes Titan (9 bzw. 6 kg) oder 7x7er Stahl mit derselben Tragkraft.

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