Gejiggte Barben

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Der Flussesel mit viel PS! Ihr scheint die Strömung egal zu sein. Entweder mit oder gegen sie. Die Rede ist von der europäischen Barbe. Für mich einer der spannendsten und herausfordernsten Kämpfer in unseren Flüssen. In England ist sie neben dem Karpfen einer der beliebtesten Sportfische. Barben sind sehr schlaue Fische mit ausgezeichneten Augen sowie einem sehr ausgeprägtem Tastsinn, daher gehört sie zu den Fischen, die nicht unbedingt einfach zu fangen sind.

Am häufigsten wird sie mit Naturködern befischt, weil sie sich ja hauptsächlich von Pflanzen und Kleintieren ernährt. Doch die meisten wissen nicht, dass sich viele „Fried“-Fische auch von kleinen Fischen ernähren, ob das zur Aufnahme von Eiweiss dient oder einem Ausgleich an anderen Mineralien, ist den Forschern bis heute allerdings noch nicht klar. Jedoch wird oft beobachtet, dass sie auf Raubzug gehen, wenn sich die Chance ergibt. Da Barben keine Zähne besitzen, saugen sie den Beutefisch förmlich ein, um ihn dann zu verdauen im gleichaufgebautem Magen wie bei einem Raubfisch.

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Foto: Robin Melliger

 

Was sagt das uns Anglern? Wenn wir so eine Chance ausnützen, ist es tatsächlich möglich, mit Kunstfischen, sei das Gummifischen oder kleinen Gummikrebsen, diesen Barben erfolgreich nachzustellen. Mit diesem Thema habe ich mich dieses Jahr an meinem Fluss auseinandergesetzt und fand Dinge heraus, die mancher Barbenansitzangler nie denken würde. Wie das genau geht und was ich erlebt habe, lest ihr hier.

Ich habe schon früher oft Barben an meinem Hausgewässer beobachten und fangen können, doch bis dahin nur mit Käse als Köder. Es schien mir, als fing ich nur kleinere Barben, denn sie kamen den großen zuvor. Ich bin sehr interessiert an den Fischen, die ich fange. Also machte ich mich schlau, um diesen faszinierenden Fisch besser verstehen zu können. Denn der Angler, der seine Beute studiert, ist erfolgreicher. Auch lernt man immer was dazu, was man bei anderen Fischarten genauso einsetzten kann.

So kam ich auf einen Artikel von einem Biologen aus England. Er hat die Barbe studiert wie kein Zweiter und wusste Sachen, die mir sehr weiterhalfen. Wie zum Beispiel dass sich ausgewachsene Exemplare oft von eiweißreichem Getier ernähren. Ich dachte mir, dass es doch möglich sein muss, diese Fische auch anders zu fangen und vor allem die kleineren Artgenossen mehrheitlich ausschließen zu können.

Foto: Robin Melliger

Foto: Robin Melliger

Barben-Montage

Barben verbringen ihr Leben am Gewässergrund, was uns ja die Maulstruktur verrät. Also stellte ich mir eine einfache aber effektive Montage zusammen, die genau diesen Bedingungen entsprachen. 0.14er Geflochtene rote oder weiße PowerPro, Fluorocarbon mit mindestens 8kg Tragkraft und einer kleinen Gummikrabbe montiert an einem 3g Qualitäts-Jigkopf. Ich wähle geflochtene Schnur statt Monofiler, da bei dieser Fischerei der feine Biss herausgespürt werden muss und auch weil es im Fluss sehr viele Wurzeln, Sträucher und überhängende Bäume gibt und man mit Monofiler Schnur nicht genug Hinderungskraft über die Schnur aufbauen kann, da sie sich ja dehnt. Das Fluorocarbon empfehle ich, da es äußerst reibungsfest ist und unsichtbar im Wasser, da Lichtstrahlen durch die Schnur durchdringen können und nur gering reflektieren. 60cm Fluorocarbon als Vorfach lässt die Barbe nicht misstrauisch werden. Das Gewicht des Jigkopf kann je nach Fließgeschwindigkeit variieren. Es ist von Vorteil, sich einen strömungsärmeren Fluss auszusuchen, weil ein zu großer Jigkopf schnell zu Mistrauen führt und den eigentlichen Köder in den Schatten stellt. Es gibt eine große Auswahl an Gummikrebsen. Die Größe 4cm hat mir bis jetzt am meisten Bisse gebracht. Ich angle mit sehr leichtem Gerät. Eine 1000er Rolle (eine Shimano Rarenium) ist ausreichend und mit einer feinen Barschrute lässt sich die feine Montage kontrolliert platzieren.

Foto: Robin Melliger

Foto: Robin Melliger

 

Barben-Führung

Die Führung ist denkbar einfach: Man überwirft den Barbenschwarm und lässt den Jig langsam durch den Schwarm hüpfen. Wenn man ihn zu aggressiv führt, kann das dazu führen, dass sich der Schwarm aufteilt. Von einem kontrolliert geführten Jig geht hingegen keine Scheuchwirkung aus. Um den Barben das Gefühl zu geben, dass der Beutefish oder Krebs vor ihnen flieht, werfe ich den Jig flussabwerts und hole ihn gegen die Strömung wieder ein. Um als Angler unbemerkt zu bleiben, ist ruhiges und unauffälliges Verhalten am Fluss von extremer Bedeutung. Denn nur ein nichts ahnender Fisch ist ein angriffslustiger Fisch. Ich halte die Rute seitwärts und lasse den Jig mit kurzen aber harten Twitches in der Rute über den Grund hüpfen, damit es auch so aussieht, als würde der Krebs flüchten. Damit setzt man auch gleich einen feinen Anhieb, der beim feinen gummiartigen Maul der Barbe schon ausreicht, um den Hakenspitzen eindringen zu lassen. Man sollte keine langen Pausen machen zwischen den Twitches, da die Barbe den Jig nur ganz kurz attackiert. Die Bremse der Rolle sollte am Anfang nicht zu weich eingestellt werden, damit der Haken tief genug eindringen kann.

Foto: Robin Melliger

Foto: Robin Melliger

 

Barben-Drill

Die Barbe ist von Natur aus sehr stark gebaut, um sich auch in starker Strömung halten zu können. Die überdimensionalen Brustflossen lassen die Barbe blitzschnell von einer Seite auf die andere steuern. Die gabelförmige Schwanzflosse kann große Kräfte aufbauen. Die erste Flucht ist sehr ungestüm. Da muss man seiner Bremse vollstes Vertrauen schenken. Meist ziehen die Fische zunächst einmal flussabwärts. Die Schnurfarbe ist wichtig, um genau zu sehen, wo sich der Fisch befindet und vielleicht noch hin will. Barben suchen im Drill oft Schutz unter Bäumen und Wurzeln. Das kann dazu führen, dass man seine Traumbarbe verliert. Darum ist es wichtig, den Fisch so weit wie möglich kontrollieren zu können. Barben haben extrem Ausdauer und so ein Kampf mit einem 70cm-Fisch kann schnell bis zu 10 Minuten und mehr dauern. Man sollte jedoch darauf achten, den Kampf unter 10 Minuten zu bringen, denn diese Fische setzten ihre volle Kraft ein bis zum Schluss.

Mit dieser Methode konnte ich schon Barben von 40 bis 72cm Länge fangen, selten darunter. So kann man am besten größere Exemplare aus dem Schwarm herausfiltern. Für mich einer der spannendsten Fischereien im Fluss!

Foto: Robin Melliger

Foto: Robin Melliger

Euer Robin Melliger

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